Klettern und Naturschutz in Baden Würtemberg

Gemeinsame Erklärung des Naturschutzbund in Baden-Württemberg und des Landesverband Baden-Württemberg des DAV.

Ende Januar 2005 wurde diese Erklärung von Dr. Stefan Rösler (Landesvorsitzender des NABU) und Dr. Jürgen Christ (Vorsitzender des Landesverbands des DAV) unterzeichnet.

Erklärungstext (PDF-Datei 306 kByte)

Naturschutz und Klettersport ziehen am selben Strang

NABU und DAV: Dialog und Kooperation sollen "Eiszeit" beenden

Klettersport und Naturschutz müssen keine grundsätzlichen Gegensätze sein. Eine gemeinsame Erklärung des Naturschutzbundes NABU Baden-Württemberg und des Landesverbandes des Deutschen Alpenvereins (DAV) soll sicher stellen, dass Tiere und Pflanzen an Felsen ungestört leben können und der Klettersport im Land naturverträglich gestaltet wird. Nach teilweise heftigen Kontroversen um Felsen, die in den 1990ern sowohl von Klettersportlern als auch vom Naturschutz reklamiert wurden, sehen beide Verbände heute in einer Zusammenarbeit den besseren Weg, um zu ausgewogenen und funktionierenden Lösungen zu kommen.

"Das gemeinsame Kletterpapier legt den Grundstein für eine vertrauensvolle und hoffentlich langfristige Kooperation", erklärt Stefan Rösler, NABU-Landesvorsitzender. Statt der rigorosen Durchsetzung von Verfügungen, die nicht funktionierten, werde nun eine neuer Weg beschritten. Jürgen Christ, Vorsitzender des DAV-Landesverbandes, betont: "DAV und NABU haben gemeinsame Ziele: Eine intakte und erlebbare Natur liegt im beiderseitigen Interesse."

Die Verbände haben sich auf eine Reihe von Grundsätzen geeinigt, die für eine konfliktfreie Umsetzung von Kletterregelungen sorgen sollen. An besonders wertvollen und sensiblen Felspartien mit Brutplätzen oder gefährdeten Pflanzen, soll ganz auf das Klettern verzichtet werden. Daneben werden flexible Regelungen favorisiert. So sollen Felsen nur zur Brutzeit oder auch nur teilweise gesperrt werden, wenn Wanderfalke, Kolkrabe, Uhu und Co. dabei erfolgreich brüten. Ideal sind win-win-Lösungen. Das heißt der Schutz der Natur am Fels soll profitieren und gleichzeitig werden dem Klettersport an unsensiblen Felsen optimale Möglichkeiten eröffnet. "Dann werden Kletterer Einschränkungen auch akzeptieren", so Christ. Noch gibt es Kletterfelsen, an denen die gültigen Regelungen nicht akzeptiert werden, und dadurch weder die Klettersportler noch die Naturschützer zufrieden sein können, wie etwa im oberen Donautal. In diesen Fällen sollen die Kletterregelungen gemeinsam hinterfragt und eventuell neu gestaltet werden, wie dies beispielsweise 2004 am Schaufelsen geschehen ist.

"Dem NABU geht es darum, im Geist der neuen Partnerschaft zu vernünftigen Lösungen zu kommen", so NABU-Chef Rösler. Zusammenarbeit statt Konfrontation solle die Devise sein. Als vertrauensbildende Maßnahme wollen beide Verbände künftig auch Kooperationsprojekte durchführen, z. B. gemeinsame Aktivitäten der Jugendorganisationen NAJU und JDAV, die Einrichtung eines Felslehrpfads oder gemeinsame Exkursionen in Klettergebiete.

Ein jahrelang schwelender Konflikt zwischen Naturschutz und Klettersport soll dadurch dauerhaft entschärft und im Idealfall gelöst werden. Das Biotopschutzgesetz von 1992 gab den Startschuss für einen mancherorts erbittert geführten Streit um die Felsen im Land. Laut Rechtslage waren die Felsen im Land per se geschützt, ihre Nutzung bedurfte einer Ausnahmeregelung. Die Kletterverbände fürchteten durch die neue Rechtslage um den Zugang zu Felsen und verwiesen auf eine teilweise hundertjährige Tradition des Kletterns. Auf der anderen Seite sahen sich die Naturschutzvertreter in ihrem Ringen um den Schutz der Felsen durch den Gesetzgeber bestätigt und pochten auf das neue Recht. Der Konflikt war vorprogrammiert: Der Naturschutz hielt den Kletterern überzogenes Anspruchsdenken, die Kletterer dem Naturschutz unbegründetes Käseglockendenken vor. Langsam aber sicher ist die Eiszeit, die zwischen Naturschützern und Kletterern geherrscht hat, nun einer konstruktiven und Ergebnis orientierten Zusammenarbeit gewichen.

Für Rückfragen: Dr. Stefan Rösler, Telefon: (07 11) 9 66 72-13
Dr. Jürgen Christ, Telefon (07 11) 61 24 30


Landesverband Baden-Württemberg des DAV

Redaktion: Anja Wieland
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